Dr. Adam Cyra über den ersten Transport [der Polen] nach Auschwitz: Nicht einmal die Hälfte hat überlebt

Der erste Transport polnischer politischer Gefangener ist eines der Symbole für die Vernichtung der Polen im KL Auschwitz (pl. Oświęcim). Am 14. Juni 1940 wurden 728 Häftlinge aus dem Gefängnis in Tarnów hierher gebracht. Auf Beschluss des Sejms der Republik Polen wird seit 2006 der 14. Juni als “Nationaler Gedenktag für die Opfer deutscher nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager” begangen.

Unter den Häftlingen des ersten Transports befanden sich unter anderem “September-Soldaten”, Mitglieder von Unabhängigkeitsorganisationen aus dem Untergrund, Gymnasiasten und Studenten. Sie erhielten die Nummern 31 bis 758. Die Nummern 1 bis 30 wurden deutschen Strafgefangenen zugewiesen, die am 20. Mai 1940 vom KL Sachsenhausen nach Auschwitz gebracht wurden, wo sie mit verschiedenen Lager-Funktionen betraut wurden, unter anderem als Kapo und Blockführer.

Die Gefangenen aus dem ersten Transport gehörten hauptsächlich zum Bildungsbürgertum und waren meist sehr junge Leute. Einige von ihnen waren jüdischer Herkunft. Ihre Schicksale wurden von Irena Strzelecka in der Abhandlung „Männer – Transport vom 14. Juni 1940 – 728 Menschen mit den Nummern 31 bis 758” dargelegt, welche im „Buch der Erinnerung. Transporte der Polen von Krakau und anderen Orten im Süden Polens zum KL Auschwitz 1940-1944 ” (Warschau-Oświęcim 2002), veröffentlicht worden sind.

Viele der Häftlinge dieses Transports wurden im Herbst 1939 sowie im Winter und Frühjahr 1940 an verschiedenen Orten im Süden Polens festgenommen, als sie versuchten, über Ungarn nach Frankreich zur von General Władysław Sikorski gegründeten Polnischen Armee zu gelangen. Einige wurden gleich nach Übertreten der Grenze in der Slowakei festgenommen. Die Nazis nannten sie verächtlich „Touristen” oder „Grenzer”. Zu ihnen gehörte unter anderem Kazimierz Albin (Lager-Nummer 118), der in den neunziger Jahren als Präsident des Hauptvorstandes der “Gesellschaft zum Schutz von Auschwitz” den Beginn der Arbeit an den bereits genannten „Büchern der Erinnerung” anstrebte; oder Jerzy Bielecki (Nr. 243), Autor des berühmten Buches „Wer ein Leben rettet…”.

Unter den Festgenommenen befanden sich auch die hauptsächlich aus Zakopane und der Umgebung stammenden Organisatoren der Verlegung polnischer Freiwilliger nach Ungarn, die das Ziel hatten, sich den polnischen Einheiten in Frankreich anzuschließen. Dies waren unter anderem Józef Chramiec-Chramiosek (Nr. 101), polnischer Vertreter des nordischen Skisports bei den Weltmeisterschaften 1932 und 1936, erschossen am 24. August 1942 im KL Auschwitz an der Todesmauer, sowie Bronisław Czech (Nr. 349), ein ausgezeichneter Skifahrer und Olympionike, gestorben am 5. Juni 1944 im Lagerkrankenhaus.

Einen bedeutenden Anteil der Gefangenen dieses Transportes machten außerdem Mitglieder von Untergrundorganisationen aus, welche in der Region Sądecczyzna und angrenzenden Gebieten tätig waren. Sehr aktiv in der sogenannten “Union des bewaffneten Kampfes” (ZWZ) war beispielsweise Stefan Syrek (Nr. 238), der während des Ersten Weltkriegs in den Legionen kämpfte, und über zwanzig Jahre später beim Feldzug im September 1939. Nach seiner Rückkehr aus sowjetischer und deutscher Gefangenschaft nach Tarnów trat er der ZWZ bei, für die er neue Mitglieder rekrutierte, wofür er schlussendlich festgenommen wurde. Er wurde am 8. August 1942 in der Gaskammer hingerichtet. Ebenfalls für seine Aktivitäten bei der ZWZ wurde Hauptmann Tadeusz Paolone (Nr. 329, im Lisowski-Lager), Initiator der Untergrundbewegung in Tymbark bei Limanowa, verhaftet. Er wurde am 11. Oktober 1943 an der Todesmauer erschossen.

Im ersten Transport befanden sich auch zahlreiche patriotische Jugendliche, welche im Rahmen der A-B-Aktion gegen das polnische Bildungsbürgertum festgenommen wurden. Unter ihnen viele Pfadfinder wie Józef Stós (Nr. 752) und Kazimierz Zając (Nr. 261). Ebenfalls zu dieser Gruppe gehörten die aus Dynów stammenden Brüder Emil (Nr. 377) und Stanisław (Nr. 132) Barański, die am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht auf dem versunkenen Schiff „Cap Arcona”, welches irrtümlich von englischen Piloten bombardiert wurde, ums Leben kamen.

Einige der Personen aus dem ersten Transport wurden bei Straßenrazzien festgenommen. Dazu gehörte auch Janusz Pogonowski (im Lager Skrzetuski, Nr. 253) aus Krakau, der am 19. Juli 1943 gehängt wurde. Vor seinem Tod stieß er den Hocker, auf dem er stand, um und unterbrach damit den Lagerkommandanten Rudolf Höss beim Vorlesen des Todesurteils; am Galgen hängend protestierte er damit gegen die im Lager herrschende Gesetzlosigkeit.

Die verhafteten Polen wurden aus verschiedenen Gefängnissen und Haftanstalten aus Südpolen in das Gefängnis in Tarnów gebracht, wo sie praktisch nicht mehr verhört wurden. Die Haftbedingungen am neuen Aufenthaltsort waren jedoch schrecklich, es herrschte Hunger, alle warteten von Tag zu Tag auf Veränderungen.
Am 14. Juni 1940 wurde den Gefangenen befohlen, ihre Zellen zu verlassen und sie wurden in Kolonnen von jeweils einhundert Menschen zum Bahnhof Tarnów eskortiert, wo sie unter strenger Bewachung in einen zuvor bereitgestellten Personenzug verladen wurden, der direkt nach Krakau aufbrach. Am Krakauer Bahnhof angekommen wurden sie Zeugen der Freude uniformierter Deutscher, welche die Eroberung der französischen Hauptstadt an diesem Tage feierten. Überglückliche SS-Männer und Wehrmachtssoldaten riefen: „Paris ist genommen”, „Paris hat kapituliert”.

Nach einigen Stunden Fahrt erblickten die Häftlinge den Bahnhof in Auschwitz, von wo aus der Zug nach einem kurzen Halt auf das Nebengleis =vor den Gebäuden des Unternehmens “Monopol Tytoniowy” (dt. Tabakmonopol) aus der =Vorkriegszeit umgeleitet wurde.

Auschwitz, von wo aus der Zug nach einem kurzen Halt auf das Nebengleis vor den Gebäuden des Unternehmens “Monopol Tytoniowy” (dt. Tabakmonopol) aus der Vorkriegszeit umgeleitet wurde.

Alle wurden aus den Waggons rausgetrieben. Unter Schlägen und Geschrei brachten SS-Männer und deutsche Strafgefangene, die einen Monat zuvor ins KL Auschwitz gebracht worden waren, sie in den Hof eines mit Stacheldraht umzäunten Gebäudes des “Monopol Tytoniowy”. Kurz darauf wurden alle Neuankömmlinge auf das Erdgeschoss dieses Gebäudes verteilt.

Am 15. Juni 1940 begann die Quarantänezeit für die Gefangenen welche dem Ziel diente, sie körperlich und geistig zu brechen. Nach ein paar Tagen, in denen sich die SS-Männer und deutschen Kriminellen mit den unterschiedlichsten mörderischen Übungen und verschiedensten Quälereien und Foltermethoden übertrumpften, waren alle am Ende ihrer Kräfte.

Im Juli 1940 wurden die Häftlinge aus dem ersten Transport vom “Monopol Tabaku”-Gebäude in nahegelegene Häuserblöcke verlegt, welche in der Vorkriegszeit als Baracken der Polnischen Armee gedient hatten.

Sie nahmen drei von ihnen [den Häuserblöcken] ein, die mit den Ziffern 1 bis 3 nummeriert wurden. Sie hatten zuvor Gefangenenkleidung bekommen, einige erhielten auch Holzschuhe. Alle schliefen in den Gefangenen-Kammern, wo sie nur auf einer Seite auf Strohmatratzen oder Stroh liegen konnten, zusammengequetscht bis zum Anschlag.

Nach der Quarantäne arbeitete ein Großteil der Häftlinge des ersten Transports am weiteren Ausbau des Lagers. Viele von ihnen wurden auch für zwecklose Arbeiten eingesetzt, zum Beispiel zum Ausheben von Gräben und deren anschließendem Zuschütten. Nur wenigen gelang es eine Stelle in den Lagerbüros zu erhalten, beispielsweise bei der Registrierung von Gefangenen, was die Kenntniss der deutschen Sprache zur Voraussetzung hatte.

Die ersten Häftlinge, die im Laufe der Zeit mit den später im Lager eingetroffenen Transporten verschmolzen wurden, haben sich vor allem im militärischen Untergrund des KL Auschwitz verdient gemacht, dessen Initiator Rittmeister Witold Pilecki war (am 22. September 1940 mit dem Transport aus Warschau unter dem Namen Tomasz Serafiński, Nr. 4859 ins Lager gebracht). Mitglieder dieser Organisation, die unter dem Namen “Union der Militärischen Organisation” (pl. Związek Organizacji Wojskowej) agierte, waren:

Stanisław Barański, Józef Chramiec, Aleksander Fusek (Nr. 775), Mieczysław Januszewski (Nr. 711), Karol Karp (Nr. 626), Jan Komski (im Lager Baraś, Nr. 564), Witold Kosztowny (Nr. 672), Stanisław Kożuch (Nr. 325) ), Jan Gąsior-Machnowski (Nr. 724), Tadeusz Myszkowski (Nr. 593), Edward Nowak (Nr. 447), Eugeniusz Obojski (Nr. 194), Tadeusz Paolone, Tadeusz Pietrzykowski (Nr. 77, ein bekannter polnischer Boxer), Zygmunt Sobolewski (Nr. 88), Czesław Sowul (Nr. 167), Alfred Stössel (Nr. 435), Antoni Suchecki (Nr. 595), Marian Toliński (Nr. 490), Zygmunt Turzański (Nr. 615), Jan Zięba (Nr. 66) und Jerzy Żarnowiecki (Nr. 616).

Die Gefangenen des ersten Transports begannen aus dem Lager zu flüchten. Tadeusz Wiejowski (Nr. 220) unternahm als erster am 6. Juli 1940 einen Fluchtversuch, wurde aber nach einiger Zeit wieder gefangen genommen und ermordet. Später flohen noch 26 weitere Gefangene. Einige von ihnen kämpften im Anschluss in den Partisanen-Einheiten der “Heimatarmee” (pl. Armia Krajowa). Dutzende von Häftlingen (76 Personen wurden bisher ermittelt) ​​wurden aus dem Lager entlassen, hauptsächlich aufgrund von Bemühungen ihrer Familien, die einflussreiche Deutsche bestochen hatten.

Von den 728 am 14. Juni 1940 ins KL Auschwitz gebrachten Personen wurden mindestens 227 Gefangene dort getötet, mindestens 266 von ihnen wurden in andere deutsche Lager evakuiert, von denen nicht weniger als 61 dort umgekommen sind. Rund 300 Häftlinge aus dem ersten Transport überlebten den Krieg.

Heute lebt keiner mehr von ihnen. Jedes Jahr kamen sie am 14. Juni ins Museum Auschwitz-Birkenau, um ihrer Kollegen zu gedenken, die hier ihr Leben geopfert hatten, und um allen Opfern dieses größten deutschen Vernichtungslagers Tribut zu zollen.

Vernichtungslager für Polen

Auf dem Gebiet des ehemaligen NS-Lagers Auschwitz-Birkenau ist ein Kreuz in der Kiesgrube außerhalb des Zauns des ehemaligen Hauptlagers in Auschwitz, d. H. des KL Auschwitz I, das einzige religiöse Symbol, welches an das Martyrium der Polen (fast ausschließlich Katholiken) erinnert. In dieser Kiesgrube sind während der mörderischen Arbeit massenhaft Gefangene der Strafkompanie umgekommen, hauptsächlich Polen und polnische Juden, darunter vereinzelt auch Katholiken. Dieses Kreuz befindet sich ebenfalls ganz in der Nähe von Block 11, dem sogenannten “Todesblock” (Blok Śmierci). Im Hof ​​dieses Blocks haben die Deutschen mindestens mehrere Tausend Polen an der “Todesmauer” (pl. Ściana Straceń) erschossen.

Das vorgenannte Kreuz war ein Element des Altars, an dem im Juni 1979 im ehemaligen Lager Auschwitz II-Birkenau, Papst Johannes Paul II während seiner ersten Pilgerfahrt nach Polen eine Heilige Messe abhielt. Im Jahr 1988 wurde das Kreuz, mit Zustimmung der katholischen Kirche, in einer Prozession in die Kiesgrube verlegt.

Außerhalb der Grenzen Polens ist dieses – polnische und nichtjüdische Martyrium – noch weitestgehend unbekannt. Aus diesem Grund sollte auch ständig daran erinnert werden, dass das KL Auschwitz-Birkenau – wie die Orte der Massenvernichtung von Juden in Bełżec oder Sobibór – kein ausschließlich jüdischer Friedhof ist.

Im ersten Teil des KL Auschwitz, d. h. im Hauptlager in Auschwitz, wurden einige Zehntausende oder vielleicht „nur” ein Dutzend Tausend Juden getötet. Dies entspricht einigen Prozent der Gesamtzahl von ungefähr einer Million Juden, die hauptsächlich in Gaskammern starben, die sich im drei Kilometer entfernten zweiten Teil des KL Auschwitz II-Birkenau, d. h. in Brzezinka, befanden (ungefähr 900.000). Darüber hinaus starben im zweiten Teil des Lagers, mit dessen Bau im Oktober 1941 begonnen wurde, Juden, Polen, Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge anderer Nationalitäten gemeinsam als registrierte Häftlinge.

Die Juden wurden vor allem in den Gaskammern in Birkenau ermordet. Sie stellten auch die Hälfte der registrierten Häftlinge dar (ungefähr 200.000), die im KL Auschwitz-Birkenau und in ungefähr 40 Außenlagern inhaftiert waren, in denen sie hauptsächlich untergebracht waren.

Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die andere Hälfte der registrierten Häftlinge im KL Auschwitz-Birkenau hauptsächlich Polen (ca. 140.000), Roma (über 20.000), sowjetische Kriegsgefangene (ca. 12.000) und Häftlinge anderer Nationalitäten (mehr als ein Dutzend Tausend) waren. Polen machten 35 Prozent all derjenigen in den Lagerakten enthaltenen und nummerierten Gefangenen aus und spielten eine besondere Rolle in der Widerstandsbewegung im Lager. Darüber hinaus wurden etwa 10.000 Polen und etwa 3.000 sowjetische Kriegsgefangene, die ebenfalls im KL Auschwitz ermordet wurden, nicht in die Aufzeichnungen des Lagers eingetragen.

Das deutsche NS-Lager in Auschwitz war zunächst fast ausschließlich ein Ort der Hinrichtung für die Polen. Hauptsächlich starben hier Vertreter des polnischen Bildungsbürgertums sowie Mitglieder des polnischen Untergrunds und der Polen, die bei Razzien gefangen genommen wurden, sowie eine kleine Anzahl polnischer Juden, die mit den Polen zusammen transportiert wurden. Die Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung begann im Frühjahr 1942 in den Gaskammern von Birkenau. Gleichzeitig wurden die polnischen Transporte bis zum Ende des Bestehens des Lagers weiterhin zum KL Auschwitz-Birkenau geleitet.

In diesen Jahren wurden unter anderem Einwohner von Dörfern aus der Region Zamość (über 1.300 Personen) und die Bevölkerung des aufständischen Warschaus (ca. 13.000 Personen) dorthin gebracht. Es sei darauf hingewiesen, dass im Dezember 1942 in der Region Zamość mit der Umsetzung des Plans zur Massendeportation von Polen in das Vernichtungslager Auschwitz begonnen wurde. Zum Glück stellten die Deutschen im Frühjahr 1943 aufgrund der Lage an den Fronten weitere Deportationen von Polen aus diesen Gebieten an das KL Auschwitz ein. Während seiner gesamten Existenz wurden Polen in das Lager gebracht, sowohl vom Generalgouvernement als auch von den polnischen West- und Nordgebieten, die während der Besetzung in das Reich eingegliedert wurden. Polen aus dem galizischen Bezirk – aus Lemberg – kamen ebenfalls ins KL Auschwitz.

In den vergangenen zehn Jahren haben Mitarbeiter des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oświęcim sehr umfangreiche, mehr als ein Dutzend Bände umfassende Gedenkbücher herausgearbeitet und veröffentlicht, die sich den polnischen Transporten von Männern, Frauen und Kindern aus den Bezirken Warschau (ca. 26.000 Personen), Krakau (ca. 18.000 Personen), Radom (rund 16.000 Menschen) und Lublin (über 7.000 Menschen), widmen.

Für die Forscher des Zweiten Weltkriegs sind die erwähnten “Bücher zum Gedenken an die Polen” eine wertvolle Quelle und kognitives Material, das Dank der sorgfältigen Arbeit vieler Menschen gesammelt und bearbeitet wurde. Gleichzeitig sind sie ein Beweis dafür, dass das tragische Schicksal der polnischen Häftlinge des KL Auschwitz nicht vergessen worden ist.

Die Lücken in den Quellen, die auf die Verwischung der Spuren für ihre Verbrechen durch die SS und die Zerstörung von Lagerunterlagen angesichts der Niederlage des Dritten Reiches zurückzuführen sind, führen dazu, dass die vollständige Liste der in dieses Lager deportierten Polen nicht rekonstruiert werden kann. Aus diesem Grund können Historiker die Frage: “Wie viele polnische Häftlinge sind im KL Auschwitz-Birkenau getötet worden?”, bislang nicht definitiv und wahrheitsgetreu beantworten.

Der Kenntnisstand über die tragische Geschichte dieses Lagers lässt nur eine Schätzung der Anzahl von Polen zu, die dort ihr Leben verloren haben. Von den 140.000 in diesem Lager inhaftierten Polen – haben rund 100.000 den Krieg nicht überlebt und die Freiheit nicht mehr erlebt. Sie starben im KL Auschwitz-Birkenau (laut geschätzter Berechnungen ca. 75.000) oder nachdem sie aus diesem in andere nationalsozialistische Konzentrationslager tief in Deutschland transportiert worden waren (mehrere Dutzend oder Zehntausende Polen).

Auf der anderen Seite kann dieses Thema auch anders betrachtet werden, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass in den Außenlagern des KL Auschwitz-Birkenau etwa 400.000 Polnische Staatsbürger ums Leben kamen: Polen (ca. 75.000) und polnische Juden (ca. 300.000), was einem Drittel der Ermordeten entspricht, da die Zahl aller Opfer dieses größten Vernichtungslagers mindestens 1,1 Millionen beträgt.

Erinnerungswürdig ist auch die Vernichtung von über 20.000 Zigeunern im Konzentrationslagers Auschwitz II-Birkenau. Es wird nicht oft erwähnt, dass dieses Lager für Polen – wie für Juden und ebenso wie für Roma, die hauptsächlich Christen waren – ein Symbol der Ausrottung ist. Es gab kein anderes nationalsozialistisches Lager, in dem so viele Juden, Polen und Roma umkamen.

Dr. Adam Cyra
Der Autor ist leitender Kurator des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau und Autor von Büchern die dem Konzentrationslager Auschwitz und dem Leben von Reitmeister Witold Pilecki gewidmet sind.

Übersetzung aus dem Polnischen: Elżbieta Panic.
Mitarbeit: Marian Panic